Vielen Menschen mit Behinderung fehlt es an jenen Hilfsmitteln, die sie zum Leben und Arbeiten brauchen.

Daher entwickelt die Maker-bewegung verstärkt individuelle Lösungen als Open-Source-Hardware und macht sie nachbaubar und digital offen zugänglich.

Die ​ Open Health HACKademy ​lädt Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, Menschen mit Behinderung und Maker ein, an dieser Bewegung teilzuhaben und gemeinsam Open-Source-Hilfsmittel zu entwickeln und nachbaubar-dokumentiert zur Verfügung zu stellen.

Begleitet und unterstützt werden sie von erfahrenen Coaches aus den Bereichen Electronic Prototyping, Coding, Digital Fabrication und Design Thinking.

 

WANN & WO?


Die Open Health HACKademy findet im einem FabLab in Berlin statt (der genaue Ort wird noch bekannt gegeben), an drei Wochenenden und den dazwischen liegenden Wochen in der vorlesungsfreien Zeit vom 1.-17. März 2019.
Unter der Woche erledigen und koordinieren die Projektteams ihrer Aufgaben weitestgehend selbstständig.

Die Termine sind:
1.3.2019               Auftakt und Einführung in das Programm (Freitag 18 Uhr bis 21 Uhr)
2.  &  3.3.2019      HACKademy - Sprint 1 (Samstag 10 Uhr bis Sonntag 17 Uhr)
9.  &  10.3.2019    HACKademy - Sprint 2 (Samstag 10 Uhr bis Sonntag 17 Uhr)
16. & 17.3.2019     HACKademy - Sprint 3 (Samstag 10 Uhr bis Sonntag 21 Uhr)


BEWIRB DICH - BIS ZUM 17. FEBRUAR!

Wenn Du teilnimmst, wirst Du in einem interdisziplinären Team intensiv eines der unteren Cases arbeiten und eng von uns betreut.
Neben inhaltlichen und fachlichen Impulsen wird jeder sich auch als Persönlichkeit einbringen, daher wollen wir im Vorfeld etwas von Dir erfahren, um die Teams besser zusammenstellen zu können.

Schicke uns hierfür:
- Beschreibung kurz Deine Motivation, Interessen und Kompetenzen (max. eine halbe A4 Seite)
- Teile uns mit, in welchem Case Du arbeiten möchtest (Lieblingsprojekt und welche Cases Dich alternativ auch interessieren)
- Schildere Deine bisherigen Erfahrungen an einem knappen Lebenslauf
- Füge, wenn vorhanden, Arbeitsproben bei (per Mail 5 MB ansonsten per Verweis auf Website).

Schicke uns dies an hackademy(at)be-able(dot)info und schreibe uns auch, wenn Du noch Fragen hast.

Für die ersten beiden Punkte kannst Du gerne dieses Formular verwenden:
https://goo.gl/forms/Tcu3G8LXXxzvUCIj1

WAS WIRST DU LERNEN?

Du lernst mit einem gemischten Team kollaborativ zusammen zu arbeiten und dabei Deine Studienkompetenzen einzubringen. Du erlernst die nutzerzentrierte Produktentwicklung von der Problemstellung bis hin zur Prototypenentwicklung und wirst direkte Erfahrungen mit den Themen Inklusion, Accessibility und Diversität machen. Dabei erhältst Du Einblicke in die Bereiche Open-Source-Hardware-Entwicklung, Electronic Prototyping, Coding, Digital Fabrication und in Methoden des Design Thinking und der nutzerzentrierten Produktentwicklung.

 

WAS SOLLTEST DU MITBRINGEN?

Du solltest Interesse und Offenheit für kollaborative Teamarbeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Menschen anderer Fachrichtungen mitbringen. Schön wäre, wenn Du eigene Expertisen und Erfahrungen mitbringst, z.B. weil Du ein technisches oder gestalterisches Studium absolvierst, einem Gesundheitsstudiengang angehörst, Erfahrungen im Making, Heimwerkern oder Tüfteln, oder Grundkenntnisse in Digital Fabrication, Electronic Prototyping oder Coding hast.

 

KANN ICH DIE HACKADEMY ALS STUDIENLEISTUNG ANERKENNEN LASSEN?


Die HACKademy ist eine Lehrveranstaltung der HPI School of Design Thinking der Digital Engineering Faculty an der Universität Potsdam.
Das bedeutet, dass teilnehmende Studierende beim erfolgreichen Absolvieren der Veranstaltung voraussichtlich 4 ETCS als Studienleistung erhalten können.
 
Der Leistungserwerb besteht aus:
- durchgängiger Teilnahme und aktiver Mitarbeit an den HACKademy
- Abschlusspräsentation des Projektes und Teilnahme an der Reflexion
- Zusammenfassung der Projektergebnisse in Form einer schriftlichen Dokumentation im Umfang von ca. 20 Seiten.

 

AUF DIESE CASES BEWIRBST DU DICH:

Case "Eisbrecher"

Thomas, 29 Jahre alt, ist ein tauber Interface-Design-Student und deutsche Gebärdensprache ist seine Muttersprache. Er lebt sehr gerne in der tauben Welt, allerdings sucht er auch Austausch mit Hörenden, zum Beispiel wenn er Netzwerkveranstaltungen besuchen will, um Menschen kennen zu lernen und beruflich voranzukommen. Diese sind für ihn Herausforderungen, denn Smalltalks kosten ihn Überwindung. Um Andere anzusprechen, lässt er das Getippte auf seinem Smartphone anzeigen und ist darauf angewiesen, dass die Gegenseite ebenso kommuniziert. Dabei entfällt der Blickkontakt und das Tippen der Nachrichten erfordert mehr Konzentration als Sprechen oder Gestikulieren. Vielen Hörenden ist diese Art der Kommunikation leider zu ungewohnt und anstrengend.


Diese Alltagsherausforderung macht er nun zum Thema seiner BA-Arbeit und wir wollen gemeinsam mit ihm ein „Interface Design für die Überwindung von Schwellenängsten zwischen tauben und hörenden Menschen“ entwickeln.

Rauskommen soll ein “cooles” Objekt, das als Eisbrecher zwischen Tauben und hörenden Menschen fungiert und hilft sich auf angenehme Weise auszutauschen und dabei Blickkontakt zu halten. Experimentiert kann mit allem, was Emotionen transportiert, Sprache umwandeln und sichtbar machen kann, bsw. Gebärdensprache- oder Spracherkennungssoftware, Displays, Lautsprecher usw.


Case "Belly Button"

Laura ist 21 Jahre alt und lebt mit persönlicher Assistenz. Sie selbst ist die Arbeitgeberin und somit auch für die Einarbeitung ihrer Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen selbst verantwortlich.

Unterstützend wird Laura durch einen direkten Zugang zum Magen (Button) ernährt. Dieser „Button“ ist eine Art Anschlussventil für ein System der künstlichen Ernährung und muss regelmäßig gewechselt werden. Das ganze ist keine große Sache, viele, vor allem neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben trotzdem Respekt davor. Verständlich! Gemeinsam mit Laura möchten wir einen Dummy entwickeln, an welchem die persönlichen Assistentinnen und Assistenten das Wechseln eines Buttons erlernen und trainieren können.

Eine Lösung würde nicht nur Laura helfen, sondern die häusliche Pflege schwerst-mehrfach behinderter Kinder und Erwachsener die auf künstliche Ernährung angewiesen sind und mit dem Button oder einer Gastrotube arbeiten unterstützen. Denn so könnten die Familien und Angehörigen den Wechsel selbst vornehmen. Gerade viele Eltern haben Respekt davor. Um diesen Respekt zu mindern wäre ein Dummy äußerst hilfreich.

Lauras Blog:
https://projektlebenaktiv.com

Case "Vorlesegerät"

Rosemaria ist 83 Jahre alt und trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch sehr aktiv. Allerdings wurde bei ihr im Alter von 74 Jahren eine Makuladegeneration diagnostiziert. Bei dieser, sich oft im Alter entwickelnden Erkrankung, verringert sich das Gesichtsfeld der betroffenen Person und damit die Lesefähigkeit. Lesen, insbesondere Schreiben von Ärzten oder Behörden wird somit zu einer großen Herausforderung für sie. Spezielle Lesegeräte oder Lupen, die als Hilfsmittel verwendet werden können, sind allerdings mit hohen Anschaffungskosten verbunden.

Daher begann ihr Enkel Kai im Rahmen seines Informatikstudiums mit der Entwicklung eines Vorlesegeräts, das Rosemaria im Alltag unterstützen soll. Ziel ist es ein Hilfsmittel zu entwickeln das sowohl kostensparend, als auch für ältere Menschen einfach zu bedienen sein sollte. Darüber hinaus soll es als Open-Hardware-Produkt entwickelt werden, um so auch anderen Menschen in ähnlichen Stituationen zur Verfügung zu stehen.

Case "LazyEye"

Viele Menschen (rund 400 Millionen) verwenden jeweils nur ein Auge. Das Auge, das nicht benutzt wird, fällt auf eine Seite - was häufig als "Lazy Eye" bezeichnet wird. Dies raubt ihnen die Tiefenwahrnehmung und oft auch ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl.
Dies ist ein neurologisches Problem. Normalerweise lernen unsere Gehirne, wenn wir Babys sind, die Eingaben jedes einzelnen Auges zu einem einzigen geistigen Bild zusammenzufügen. Wenn das Gehirn des Babys von jedem Auge Signale erhält, die so unterschiedlich sind, dass es sie nicht richtig verschmelzen kann (z. B. wenn ein Auge viel stärker / schwächer als das andere ist), unterdrückt das Gehirn ein Auge.
Ben Senior, der Case Provider ist Erfinder, Problemlöser und genereller Fragensteller. Sein Hintergrund sind Informatik, interdisziplinäre Forschung, Software-Engineering und Konstruktion. Sein Sohn hat ein “Lazy Eye” und so hat Ben begonnen Lösungen ein Trainingsprogramm für Lazy Eyes zu entwickeln. Die Software ist schon recht weit. Um sie zu nutzen braucht man ein VR Headset mit 4 Kameras.

Wir möchten eine ergonomisches, günstiges DIY-Kit für VR entwickeln, mit dem Menschen, die das grundlegende physische Problem gelöst haben (z. B. eine Brille), die Möglichkeit haben, ihr visuelles System durch Training neu zu starten.


Weitere Infos gibt es hier:
https://www.eyeskills.org​

Und hier ein Vortrag von Ben zum Thema auf dem 35C3:
https://media.ccc.de/v/35c3-9370-hacking_how_we_see





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