"Bei der HACKademy gibt es interessante Cases, nette Leute und guten Input von erfahrenen Coaches. Ich würde jederzeit wieder daran teilnehmen!"

Nadia, HACKademy-Teilnehmerin

Bei der Open Health HACKademy entwickeln interdisziplinäre Teams mit Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen, Menschen mit Behinderung und Makern gemeinsam Open-Source-Hilfsmittel, sogenannte Careables. Denn vielen Menschen mit Behinderung fehlt es an jenen Hilfsmitteln, die sie zum Leben und Arbeiten brauchen.

Begleitet und unterstützt werden die Entwicklerteams von erfahrenen Coaches aus den Bereichen Electronic Prototyping, Coding, Digital Fabrication und Design Thinking.

Wann und Wo ist die nächste HACKademy?

 

Die nächste Open Health HACKademy findet in der vorlesungsfreien Zeit vom 27.September - 6. Oktober 2019, in der Technischen Universität Berlin, in den Werkstätten am Lehrstuhl Arbeitslehre statt.






Die Termine im Einzelnen:

27. September 2019                 Auftakt und Einführung in das Programm (Freitag 17 Uhr bis 21 Uhr)

28./29. September; HACKademy - Sprint 1 WE UNDERSTAND (Samstag 10 Uhr bis Sonntag 17 Uhr)

09.10. 30. September - 3. Oktober HACKademy - Sprint 2 WE MAKE (Individuelle, projektbezogene Zeiteinteilung)

3.-6. Oktober HACKademy - Sprint 3 WE SHARE (Freitag 17 Uhr bis Sonntag 21 Uhr)

Die öffentliche Abschlusspräsentation der vier Entwicklerteams findet am Sonntag, den 6. Oktober 2019, um 15:00 Uhr an der TU statt.

Um die nächste Open Health HACKademy durchführen zu können suchen wir Unterstützung durch Mentorting, Sponsoring und bei der Bekanntmachung. Casevorschläge, Fragen und Unterstützungsangebote sind uns sehr willkommen. Schreiben sie uns hackademy@be-able.info Wir freuen uns ihnen persönlich mehr zu erzählen!


Wenn du Lust hast an einem der Projekte mitzuwirken und innerhalb der nächsten HACKademy Teil eines inklusiven Teams zu sein, freuen wir uns wenn du das Bewerbungsformular ausfüllst. Es werden in den nächsten Wochen noch weitere Cases hinzukommen. Bei Fragen kannst du dich sehr gerne per email an uns wenden.

Die Cases um die sich die nächste HACKademy dreht

Case - Fußfahrrad - mit Sven Kocar

Sven beschreibt sich als optimistischen Realisten und ein großer Wunsch von ihm ist es, Fahrrad zu fahren. Im Kindergarten und der Grundschule ist er schon mal gefahren. Allerdings auf einem hohen, hässlichen Behinderten-Fahrrad. Das war alles andere als optimal. Aus diesem Grund möchte er nun ein Liegerad fahren. Hierfür benötigt er ein paar behinderungsbedingte Anpassungen. Die größte Herausforderung ist es, das Bremsen mit den Füßen zu ermöglichen. Auf Grund seiner Spastik macht er vieles mit den Füßen - z.B. essen und fotografieren. Bei einer Spastik liegt eine Schädigung im zentralen Nervensystem vor, die zu einer beeinträchtigten Feinabstimmung zwischen Muskelanspannung und Muskelentspannung führt. Bei Sven ist es so, dass er mehr Feinmotorik in den Füßen als in den Händen hat. Normalerweise ist Sven mit seinem roten Rollstuhl unter anderem als selbstständiger Inklusionsberater und Fußfotograf in Berlin unterwegs. Nun möchte er zu Gunsten seiner Fitness und Gesundheit zusätzlich die Möglichkeit haben, Fahrrad zu fahren.

Case - Rolli Joystick - mit Jonas Morgenroth

Jonas ist Ingenieur und geht Herausforderungen mit unternehmerischem Geist, Pragmatismus und Neugierde an. Seit frühester Kindheit fährt er einen Elektrorollstuhl. Das Thema Rollstuhl interessiert ihn jedoch nicht nur aus Nutzer-, sondern auch aus Entwicklersicht. Im Rahmen der HACKademy will Jonas sich konkret mit Rollstuhlbedienelementen befassen. Er fragt sich warum diese eigentlich so unergonomisch und starr sind und ob sie nicht so modifiziert werden könnten, dass sie sich an die Voraussetzungen verschiedener Hände und Nutzungen anpassen lassen. Jonas wünscht sich einen Joystick der intuitiv und auch mal blind (z.B. unter Tischen) bedient werden kann. Sein Ausgangspunkt ist ein Joystick ähnlich einem Gamepad. Mit mehr Knöpfen an verschiedenen Positionen, einem ergonomischen Griff und eine Halterung, die mehr Flexibilität bietet.

Cases der ersten Hackademy

Die erste Open Health HACKademy hat vom 1.-17. März 2019 im FabLab machBar in Potsdam statt gefunden.

Case "Eisbrecher"

Thomas, 29 Jahre alt, ist ein tauber Interface-Design-Student und deutsche Gebärdensprache ist seine Muttersprache. Er lebt sehr gerne in der tauben Welt, allerdings sucht er auch Austausch mit Hörenden, zum Beispiel wenn er Netzwerkveranstaltungen besuchen will, um Menschen kennen zu lernen und beruflich voranzukommen. Diese sind für ihn Herausforderungen, denn Smalltalks kosten ihn Überwindung. Um Andere anzusprechen, lässt er das Getippte auf seinem Smartphone anzeigen und ist darauf angewiesen, dass die Gegenseite ebenso kommuniziert. Dabei entfällt der Blickkontakt und das Tippen der Nachrichten erfordert mehr Konzentration als Sprechen oder Gestikulieren. Vielen Hörenden ist diese Art der Kommunikation leider zu ungewohnt und anstrengend.


Diese Alltagsherausforderung macht er nun zum Thema seiner BA-Arbeit und wir wollen gemeinsam mit ihm ein „Interface Design für die Überwindung von Schwellenängsten zwischen tauben und hörenden Menschen“ entwickeln.

Rauskommen soll ein “cooles” Objekt, das als Eisbrecher zwischen Tauben und hörenden Menschen fungiert und hilft sich auf angenehme Weise auszutauschen und dabei Blickkontakt zu halten. Experimentiert werden kann mit allem, was Emotionen transportiert, Sprache umwandeln und sichtbar machen kann, bsw. Gebärdensprache- oder Spracherkennungssoftware, Displays, Lautsprecher usw.


Case "Belly Button"

Laura ist 21 Jahre alt und lebt mit persönlicher Assistenz. Sie selbst ist die Arbeitgeberin und somit auch für die Einarbeitung ihrer Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen selbst verantwortlich.

Unterstützend wird Laura durch einen direkten Zugang zum Magen (Button) ernährt. Dieser „Button“ ist eine Art Anschlussventil für ein System der künstlichen Ernährung und muss regelmäßig gewechselt werden. Das ganze ist keine große Sache, viele, vor allem neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben trotzdem Respekt davor. Verständlich! Gemeinsam mit Laura möchten wir einen Dummy entwickeln, an welchem die persönlichen Assistentinnen und Assistenten das Wechseln eines Buttons erlernen und trainieren können.

Eine Lösung würde nicht nur Laura helfen, sondern auch die häusliche Pflege schwerst-mehrfach behinderter Kinder und Erwachsener, die auf künstliche Ernährung angewiesen sind und mit dem Button oder einer Gastrotube arbeiten, unterstützen. Denn so könnten die Familien und Angehörigen den Wechsel selbst vornehmen. Gerade viele Eltern haben Respekt davor. Um diesen Respekt zu mindern wäre ein Dummy äußerst hilfreich.

Lauras Blog:
https://projektlebenaktiv.com

Case "Vorlesegerät"

Rosemaria ist 83 Jahre alt und trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch sehr aktiv. Allerdings wurde bei ihr im Alter von 74 Jahren eine Makuladegeneration diagnostiziert. Bei dieser, sich oft im Alter entwickelnden Erkrankung, verringert sich das Gesichtsfeld der betroffenen Person und damit die Lesefähigkeit. Lesen, insbesondere Schreiben von Ärzten oder Behörden wird somit zu einer großen Herausforderung für sie. Spezielle Lesegeräte oder Lupen, die als Hilfsmittel verwendet werden können, sind allerdings mit hohen Anschaffungskosten verbunden.

Daher begann ihr Enkel Kai im Rahmen seines Informatikstudiums mit der Entwicklung eines Vorlesegeräts, das Rosemaria im Alltag unterstützen soll. Ziel ist es ein Hilfsmittel zu entwickeln das sowohl kostensparend, als auch für ältere Menschen einfach zu bedienen sein sollte. Darüber hinaus soll es als Open-Hardware-Produkt entwickelt werden, um so auch anderen Menschen in ähnlichen Stituationen zur Verfügung zu stehen.

Case "LazyEye"

Viele Menschen (rund 400 Millionen) verwenden jeweils nur ein Auge. Das Auge, das nicht benutzt wird, fällt auf eine Seite - was häufig als "Lazy Eye" bezeichnet wird. Dies raubt ihnen die Tiefenwahrnehmung und oft auch ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl.
Dies ist ein neurologisches Problem. Normalerweise lernen unsere Gehirne, wenn wir Babys sind, die Eingaben jedes einzelnen Auges zu einem einzigen geistigen Bild zusammenzufügen. Wenn das Gehirn des Babys von jedem Auge Signale erhält, die so unterschiedlich sind, dass es sie nicht richtig verschmelzen kann (z. B. wenn ein Auge viel stärker / schwächer als das andere ist), unterdrückt das Gehirn ein Auge.
Ben Senior, der Case Provider ist Erfinder, Problemlöser und genereller Fragensteller. Sein Hintergrund sind Informatik, interdisziplinäre Forschung, Software-Engineering und Konstruktion. Sein Sohn hat ein “Lazy Eye” und so hat Ben begonnen Lösungen ein Trainingsprogramm für Lazy Eyes zu entwickeln. Die Software ist schon recht weit. Um sie zu nutzen braucht man ein VR Headset mit 4 Kameras.

Wir möchten eine ergonomisches, günstiges DIY-Kit für VR entwickeln, mit dem Menschen, die das grundlegende physische Problem gelöst haben (z. B. eine Brille), die Möglichkeit haben, ihr visuelles System durch Training neu zu starten.


Weitere Infos gibt es hier:
https://www.eyeskills.org​

Und hier ein Vortrag von Ben zum Thema auf dem 35C3:
https://media.ccc.de/v/35c3-9370-hacking_how_we_see

WER ist beteiligt?
 
Die Open Health HACKademy wird im Rahmen der Projekte Match My Maker (www.matchmymaker.de) und Careables (www.careables.org) von den gemeinnützigen Organisationen be able e.V. und Prototyping Collective e.V. veranstaltet.

Kooperationspartner sind der Wissenschaftsladen e.V. und die D.School / Hasso-Plattner-Institut Potsdam.





Projektpartner