Geschichte

From Weißensee into the world

Alles begann mit einer Überzeugung: Jeder Mensch ist von Grund auf fähig und wertvoll. Das Projekt able wurde zum Sozialunternehmen be able – als Aufforderung, das eigene Fähig-Sein anzunehmen und zu leben – präsent, kreativ, neugierig.

Was in einer Keramikwerkstatt in Berlin-Weißensee begann, sprang schnell auf andere Gewerke über. In Kooperationen zwischen Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Studierenden der Kunsthochschule Berlin-Weißensee gestalteten die Schneider*innen, Buchbinder*innen, Kerzenzieher*innen, Schreiner*innen und Bonbon-Manufakteur*innen fortan nicht mehr nur das, was andere sich ausgedacht hatten, sondern auch: ihre eigenen Produkte.

Kiez & Business & Gefängnis

2014 gründeten wir den gemeinnützigen Verein be able e.V. und bezogen eine offene Kiezwerkstatt in Berlin-Neukölln. Kooperierten mit Unternehmen. Gingen ins Gefängnis und in die forensische Psychiatrie. Immer dabei: Prozessorientierte Formate, die uns dabei unterstützten, alle Beteiligen in einen kreativen Austausch zu bringen und füreinander zu öffnen – auch dort, wo eigentlich alles geschlossen ist (z.B. Fakos are able, Tel Inform).

Access all Areas: Gesellschaft hacken

Weil überall etwas im Weg sein kann, wurde es ab 2016 unser zentrales Anliegen, Barrierefreiheit zu schaffen und genau hinzusehen, welche Hürden unsere Gesellschaft vereinzeln. In inklusiven Teams mit unterschiedlichen Partner*innen untersuchten wir öffentliche und halböffentliche Räume und entwickelten in Co-Kreation Ideen und Produkte, die Antworten auf bestehende Hürden suchen (z.B. Ikea HACK, Designkonzepte für Coworking Space TUECHTIG, Accessibility Tours, MadeForMyWheelchair).

Alles fließt

2017 zogen wir in den genossenschaftlich organisierten Projektraum am Spreefeld in Berlins Mitte, um mit tollen Menschen aus den Bereichen Bildung, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit enger zusammenzuarbeiten. Immer bewusster streben wir innerhalb der Organisation und in unseren Partnerschaften mehr Diversität und Inklusion an. Barrierearme Räume und eine achtsame, offene Arbeitskultur sind uns wichtig. Aktiv leben, was wir lehren und den Sonnenuntergang über der Spree genießen.

Fairtrade-Kooperationen

Weil Berlin trotzdem nicht der Mittelpunkt der Welt ist, gingen wir auch woanders hin, z.B. nach Indonesien. Verknüpften Handwerk, Design und Marketing, um lokale Strukturen und die Menschen vor Ort zu fördern. Zum Beispiel im Projekt EcutIcut mit dem Goethe-Institut und Folkdays, in dem ostasiatische Handwerker*innen und europäische Designer*innen ihr Wissen teilten und gemeinsam Fairtrade-Produkte entwickelten.

»Design ist spannend! Wir wollen uns in unserem Arbeitsalltag mehr Raum für Kreativität erobern.«

Mitarbeiter von Dr. Ausbüttel, Teilnehmer des Workshops

Holacracy fürs Kollektiv

Weil immer mehr Menschen Teil von be able wurden und die Fluktuation innerhalb des Teams höher wurde, kamen wir mit unserer organisch gewachsenen Struktur und der Weitergabe von Prozesswissen an unsere Grenzen. Inspiriert von Ansätzen der Selbstorganisation, Soziokratie und Holacracy entschieden wir uns für eine bewusste Neugestaltung unserer Organisation. Begleitet von Leadership hoch3 experimentieren wir kontinuierlich und passen unsere Kultur und Struktur an die aktuellen Bedürfnisse an, um sinnstiftende Arbeit im Kollektiv zu ermöglichen.

Pandemie trifft Open Source

Dann kam der Lockdown. Und die Freiheit, durch digitale Tools trotzdem zusammenzuarbeiten. In inklusiven Teams arbieteten wir grenzüberschreitend an Open-Source-Hilfsmitteln, denn damit hatten wir uns schon seit dem Gewinn der GoogleImpact Challenge 2018 befasst. Das MatchMyMaker-Team entwickelte eine Matchingplattform für Bedürfnisträger*innen und Maker und in unserer Kooperation mit dem EU-Projekt Careables entstand dazu eine Plattform für Open Source Hilfsmittel, die sogenannten Careables. In fünf Hackademys wurden in offenen Werkstätten zusammen mit den Bedürfnisträger*innen offene Hilfsmittel geschaffen und anschließend auf Careables.org veröffentlicht.

Leer werden

Im Jahr 2022 beendeten wir das Projekt MatchMyMaker, mangels einer langfristigen Perspektive mit der Veröffentlichung des Co-Creation Guides, der Teams auch ohne Matching algorithmus bei einer Hilfmittelentwicklung begleitet. Wir zelebrierten die Projekt-Abschlüsse von ICK hab Knast und des hamburger Ideenwettbewerbs StadtRaumFluss mit Ausstellungen und Publikationen. Nach Jahren des kreativen Wege-suchens und den Herausforderungen dieser Zeit trotzen, wünschten wir uns Leere. Zum Innehalten, reflektieren und Frei-Werden. Für das, was war, für den Moment und für das, was vielleicht noch kommt.

15 Jahre be able

2025 feiert be able seinen 15. Geburtstag. Was die Zukunft bringt? Wir wissen es nicht genau. Aber wir wissen, dass alles, was wir gemacht haben, inspiriert – und dass wir weiter daran arbeiten, diese Welt durch Design zu verändern.